Tageslosung

Invokavit (Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören. Psalm 91,15)
Fürchte dich nicht, Zion! Lass deine Hände nicht sinken! Denn der HERR, dein Gott, ist bei dir, ein starker Heiland.
Stärkt die müden Hände und die wankenden Knie und tut sichere Schritte mit euren Füßen.

Die Feiertage sind wieder vorbei. Die Straßen sind meistens schon gereinigt von den Raketen- und Böllerresten. Der Blick geht wieder nach vorne auf das, was da kommt im neuen Jahr 2015.

In der Kirche ist aber noch immer Weihnachten. Die Krippe steht noch. In der Vorbereitung auf das Fest haben wir uns vorgenommen, die Kirche einmal anders zu gestalten für die Weihnachtszeit. Wir haben eine wunderbare Holzkrippe mitten auf dem Altar errichtet. Mit Stroh als Unterlage, einer dezenten und warmen Beleuchtung und natürlich mit den Figuren der Weihnachtsgeschichte. Über der Krippe leuchtet sogar ein kleiner Herrnhuter Weihnachtstern. Auf diese Weise ist eine idyllische und sehenswerte Ansicht des Weihnachtsgeschehens entstanden, die man wirklich genießen kann. Beim Aufbau mussten wir uns auch fragen, wohin wir das Kreuz stellen, das normalerweise auf dem Altar steht. Es passte nicht mehr mit auf den Altar, aber einfach in eine Ecke stellen wollten wir es auch nicht. Also bauten wir einen Stehtisch hinter den Altar und stellten das Kreuz drauf, so dass es gut sichtbar bleibt. Und schon beim ersten Anblick hat mich die Aussagekraft beeindruckt. Auch wenn Weihnachten und Ostern ein paar Monate auseinander liegen, ist das eine doch nicht ohne das andere denkbar. Gott wird Mensch in einem Kind. Jesus lebt das Leben eines Menschen und zeigt uns immer wieder und bis heute auf, was die Liebe Gottes und die Nächstenliebe möglich machen. Und letztlich überwindet er den tiefsten Schmerz, den Tod, am Kreuz. Wir wollen das vielleicht gar nicht so gerne hören. Wer will schon beim Anblick einer so rührenden Szene wie der in der Krippe an das denken, was später geschieht? An Schmerz, Leid und sogar den Tod? Leider wird die Krippe nun schon in der nächsten Woche wieder abgebaut. Ich könnte dieses Miteinander von Krippe und Kreuz noch länger anschauen und darüber nachdenken. Die Krippe macht aus dem Kreuz eine lebendige, warme Szene. Das Kreuz macht aus der Krippe eine Szene, die sich im richtigen Leben abspielt. So ist es mit dem Glauben auch: er ist lebendig und warm, spielt sich aber nicht nur an kuscheligen Feiertagen ab, sondern mitten im richtigen Leben. Schade, dass die Krippe bald wieder abgebaut wird.

Pfr. Jens Heller