Tageslosung

Invokavit (Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören. Psalm 91,15)
Fürchte dich nicht, Zion! Lass deine Hände nicht sinken! Denn der HERR, dein Gott, ist bei dir, ein starker Heiland.
Stärkt die müden Hände und die wankenden Knie und tut sichere Schritte mit euren Füßen.

Applaudierende Menschen am Bahnsteig, „welcome“ „Willkommen“ steht auf großen Bannern, Kinder bekommen Teddies in die Hand gedrückt, erschöpfte Gesichter lächeln. Willkommenskultur! -
„Hosianna“ rufen Menschen vor Jerusalem, schwenken Palmzweige und begrüßen den Mann auf dem Esel – Jesus. Andere Szene: „Asylbetrüger“, „fremdes Pack“ – hasserfüllte Gesichter, geballte Fäuste, schreiende Münder. Angst, in Hass umgeschlagen, gilt denselben wie der Willkommensapplaus zuvor. – „Kreuzige ihn“, schreit die Menge. Hasserfüllte Gesichter, geballte Fäuste gelten demselben, der eben noch mit Palmzweigen begrüßt wurde. Immer wieder bin ich erstaunt, wie die Geschichten der Bibel mit aktuellen Bildern und Geschichten zusammenpassen. Ich lese die Bibel und sehe Zeitungsüberschriften, Tagesschaubilder, Alltagsszenen vor mir. Und immer sagt das eine dem anderen etwas – und hilft mir, mich zu orientieren.
Ich muss meinen Platz und meine Meinung finden zwischen all den Stimmen aus der Tagesschau und dem Internet – zwischen „welcome“ und „Pack“.
Wie verhalte ich mich? Was ist mir wichtig? Wem stimme ich zu? Und wem auf keinen Fall? Meine Orientierung ist Jesus, der jüdische Wanderprediger aus der syrischen Provinz. Morgen feiern wir seinen triumphalen Empfang in Jerusalem.
Jesus kennt selbst Zweifel und Angst und lässt sich nicht beirren: er erzählt von Gott wie ein Sohn von seinem Vater erzählt. Er erzählt von dem menschenfreundlichen Gott, dem die Armen und Sprachlosen und Leidenden wichtig sind.
Die in Booten übers Meer schippern oder in schlammigen Lagern warten; die voller Angst auf viele fremde Gesichter starren und ihre Angst in Hass umschlagen lassen – und alle, die gerade nicht in Nachrichten auftauchen, weil die ganze Welt sie vergessen hat. Die sind und bleiben in Gottes Blick – davon erzählt Jesus und lebt es selber vor. Und lässt sich nicht irremachen von Zustimmung oder Ablehnung, von Triumph oder Hass. Er bleibt einfach dabei: Ich erzähle und lebe einen menschenfreundlichen Gott.
Diese Haltung feiern die Gottesdienste morgen und diese Haltung ist Vorbild für alle Christen.
Ja was denn auch sonst?

Pfarrerin Ute Engel
Evangelische Kirchengemeinde
Hanau-Kesselstadt