Sprengel Hanau - Sprengel Hanau

Tageslosung

Der HERR hatte sie fröhlich gemacht.
Sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen.

Als ich als Kind mit meinen Eltern in das ehemalige Jugoslawien in den Urlaub gefahren bin, waren Grenzkontrollen selbstverständlich. Österreich, Italien, Jugoslawien. Später Österreich, Italien, Mazedonien, Kroatien. Aber da gab es schon nicht mehr überall Grenzen. Seit fünf Jahren fahre ich mit meiner Familie nach Dänemark in den Urlaub, zum ersten Mal in diesem Jahr mit Grenzkontrolle. Sechs Kilometer Stau und noch eine Stunde mehr auf der Autobahn, die ohnehin schon zu voll war. Zeit zum Nachdenken. Nachdenken über ein mutiges und menschenfreundliches Signal „Wir schaffen das!“ in die Welt, das ein ebenso kontroverses wie länderübergreifendes Ringen um (Ober-)Grenzen nach sich zog und zieht. Nachdenken über die immer lauteren Rufe nach Abgrenzung und deutlichen Signalen, wie zuletzt in Mecklenburg-Vorpommern. Nachdenken über die drohende Spaltung der Gesellschaft. Und dann: Nachdenken darüber, dass Gott nicht das Getöse, sondern eher die leisen Töne mag. „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr“ heißt es in der Bibel. Der Wandel zum Guten erfolgt durch das zarte Hinhören, nicht durch lautes Poltern. Und am Ende des Staus an der Grenze, am Ende des Nachdenkens bin ich wirklich neugierig darauf und will genau darauf achten, was sich im Land verändert hat. Zum Glück so gut wie nichts: wie in allen anderen Jahren auch stehen viele kleine Holzverschläge am Straßenrand, wo man sich mit Erdbeeren, Brennholz, Eiern, Blumen, Honig, Kartoffeln oder Gemüse versorgen kann und einfach das Geld in einen Behälter legt. Kein Verkäufer in der Nähe. Nur das Vertrauen in die Ehrlichkeit der Menschen. Einfach so. Welch ein leiser und wohltuender Klang in einem Grenzkonzert!


Pfarrer Jens Heller
Evangelische Kirchengemeinde Bischofsheim